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Waldschutz ist besser für Klima als Holznutzung: Studie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie mehrfach widerlegt

Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena verbreitete im Februar 2020 eine Studie, die zeigen sollte, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder das Klima besser schützen als unbewirtschaftete Wälder. Der wichtigste Beitrag nachhaltiger Wirtschaftswälder der gemäßigten Klimazone sei das Ersetzen fossiler Brennstoffe durch die energetische Nutzung von Holz. Die Befunde der in Global Change Biology – Bioenergy veröffentlichten Studie von Professor Ernst-Detlef Schulze und Kolleg*innen wurden nunmehr durch drei unabhängig voneinander entstandene Publikationen in derselben Zeitschrift widerlegt.

Eine europäisch-amerikanische Gruppe (Zoltán Kun und Kolleg*innen) sowie drei Wissenschaftler*innen aus den USA und Australien (Mary Booth und Kolleg*innen) wiesen nach, dass die Schlussfolgerungen des Artikels auf ungeeigneten Annahmen und Berechnungen beruhen. Ein Autor*innen-Kollektiv der Naturwald Akademie, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie von Wohllebens Waldakademie zeigt nun in ihrer Publikation, dass die Behauptung, die Bewirtschaftung von Wäldern sei besser für den Klimaschutz als ihr Schutz, außerdem auf falschen Daten und auf Rechenfehlern beruht.
Der Erstautor Dr. Torsten Welle, Naturwald Akademie, stellt fest: „Nach Korrektur falscher Zuwachsdaten für ungenutzte Wälder aus der Originalstudie ergibt sich, dass die Klimaschutzwirkung von ungenutzten und geschützten Wäldern sogar bis zu zweieinhalb Mal so groß sein könnte als diejenige von forstwirtschaftlich genutzten“. Zweitautor Professor Pierre Ibisch, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, unterstreicht die Schlussfolgerung: „Der einzige wirksame Weg zur Eindämmung des Klimawandels besteht darin, die Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material so schnell wie möglich zu stoppen und die natürlichen Kohlenstoffsenken zu stärken, anstatt sie zu zerstören. Die Verbrennung von frischem Stammholz, die sowohl die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erhöht als auch die natürlichen Kohlenstoffvorräte und funktionstüchtigen Waldsenken schwächt, ist schlicht nicht richtig“.
An der widerlegten Publikation von Professor Schulze war auch der damalige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Professor Hermann Spellmann, beteiligt. Dieser Beirat vertrat jüngst auch in seinem Gutachten zur sogenannten Waldstrategie 2050 die – nicht mehr in der internationalen Literatur reflektierte – Position, dass die forstwirtschaftliche Nutzung von Wäldern im Sinne des Klimaschutzes günstiger sei als deren Erhaltung.

Originalpublikation:

Widerlegte Originalpublikation Schulze, E.D., Sierra, C.A., Egenolf, V., Woerdehoff, R., Irslinger, R., Baldamus, C., Stupak, I. & Spellmann, H. (2020) https://doi.org/10.1111/gcbb.12672.

Schriften, die die Befunde widerlegen: Booth, M.S., Mackey, B. & Young, V. (2020). https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/gcbb.12716
Kun, Z., DellaSala, D., Keith, H., C., Cormos, C., Mercer, B., Moomaw, W.R. & Wiezik, M. (2020) https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/gcbb.12714
Welle, T., Ibisch, P.L., Blumröder, J.S., Bohr, Y.E.-M.B., Leinen, L., Wohlleben, T. & Sturm, K. (2020) https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/gcbb.12738


Weitere Informationen:

https://www.mpg.de/14452850/nachhaltige-wirtschaftswalder-ein-beitrag-zum-klimas…
http://Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie vom 10. Februar 2020

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  1. Ich bin Waldbauer und bestreite den Lebensunterhalt unserer Familie (50% Flächenanteil) auch aus dem Wald. Es werden von der Gesellschaft immer große Forderungen an den Wald gestellt. Mehr als in anderen Bereichen (Betretungsrecht usw.). Wenn man diesem Wirtschaftsbereich Lasten aufbürden möchte, dann sollte man dies finanziell ausgleichen und wenn es besonders wichtig ist sogar besonders honorieren. Bei Corona geht es ja auch.

    1. Lieber Herr Attenkofer,
      herzlichen Dank für Ihre Nachricht.
      Da bin ich bei Ihnen. Wir plädieren für eine CO2 Steuer, die auch für Holz gilt. Wer Holz erntet und somit den Kohlenstoffspeicher leert und das ökosystem schwächt, sollte dafür zahlen und wer seinen Wald wachsen lässt und somit CO2 bzw. Kohlenstoff bindet, sollte finanziell entlohnt werden.

    2. Das Betretungsrecht gilt ja für alle Waldeigentumsarten und zum generellen Augleich gibt es ja etliche staatliche Förderungen. Einschränkungen, die über ein normales Maß hinausgehen und zu Mindereinnahmen und Sonderbelastungen führen, sollten honoriert werden. Eine entsprechende Regelung, dies messbar zu machen (z.B. Gute Fachliche Praxis als Basis: wer mehr leistet bekommt entsprechend mehr), wird von den Verbänden seit Jahrzehnten boykottiert (Bsp. Bayerisches Waldprogramm, Nationales Waldprogramm Deutschland etc., ich war selbst dabei). Jetzt soll jeder Geld pro Fläche kriegen, ohne jegliche Gegenleistung. Großprivatwaldbesitzer viel, Kleinprivatwaldbesitzer eben fast nix, und das völlig unabhängig davon, ob sie vorbildlich wirtschaften oder radikal abholzen.

  2. Ich habe den Beitrag 2 mal gelesen und bin zu dem Entschluß gekommen, das die MPI die Analyse so geschrieben hat , das man weiter Raubbau im Wald pflegen kann. Für mich ist der Privatbesitz von Wald völlig sinnlos.