Erneuter Kniefall der Bundesregierung vor der Kohle-Lobby

Clearcut on managed forest land in Washington state

Die für 2038 geplante letzte Abschaltung eines Kohlekraftwerks in Deutschland wird nicht ausreichen, um das so wichtige 1,5 Grad-Ziel im Klimaschutz zu erreichen. Zahlreiche Wissenschaftler sowie Umweltschutzorganisationen fordern daher bereits seit Langem eine Nachbesserung und Verschärfung des im Januar diesen Jahres beschlossenen Ausstiegs aus der Kohle.

An diesem Freitag nimmt das Kohleausstiegsgesetz die letzten Hürden im Bundestag und geht dann in den Bundesrat. Stimmt dieser ebenfalls dem Gesetzesentwurf zu, würde dies einen sehr üppig gedeckten Gabentisch für die Energieriesen bedeuten – so sollen insgesamt 4,35 Milliarden Euro an Entschädigung an RWE und die Leag fließen. Wie diese Summe berechnet wurde und inwieweit sie überhaupt berechtig ist, bleibt dabei absolut unklar. Eine Studie des Freiburger Öko-Instituts, welche von der Umweltorganisation Klima-Allianz in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Ergebnis, sie sei fast doppelt so hoch wie notwendig.

Besonders brisant für den Wald ist aber nicht die Höhe dieser Geldsumme, sondern die geplante Verwendung von weiteren 40 Milliarden Euro Strukturhilfe. Diese sollen in den vom Strukturwandel betroffenen Regionen genutzt werden, um die Wirtschaft umzubauen. Unter anderem soll Geld für den Umbau von Steinkohlekraftwerken zu Wasserstoff- oder Biomassekraftwerken fließen. Das eine solche Förderung erheblichen Schaden anrichten kann, zeigt der Blick zu unseren Nachbarn in den Niederlanden. Dort wurden aufgrund großzügiger Subventionen der Regierung bereits die Hälfte der Kohlekraftwerke auf den Betrieb mit Holzpellets umgestellt. Bereits der Betrieb eines Kohlekraftwerks durch RWE in Geertruidenberg frisst dabei in einem Jahr doppelt so viel Holz, wie der gesamte Jahreszuwachs an Holz in den Niederlanden. Entsprechend viel Holz muss importiert werden und dieses kommt überwiegend aus wertvollen Naturwäldern im Südosten der USA oder dem Baltikum. Die „umweltfreundliche“ Energieerzeugung in den Niederlanden erzeugt so riesige Kahlschläge im Rest der Welt und einst artenreiche, lebendige und gesunde Wälder weichen Plantagen aus vermeintlich schnellwachsenden Baumarten.

Clearcut on managed forest land in Washington state
Ökologische Katastrophe: Kahlschlag im Westen der USA – Foto: Phil Augustavo

Auch in Deutschland wird aktuell bereits rund die Hälfte der jährlichen Holzernte direkt verbrannt und das mit einer seit Jahren stark steigenden Tendenz. Insbesondere Laubholz wird daher verstärkt nachgefragt und der Nutzungsdruck auf den Wald steigt kontinuierlich. Würden nun auch noch bestehende Kohlekraftwerke auf den Betrieb mit Holz umgestellt, käme das einer Bankrotterklärung für den Umwelt- und Klimaschutz gleich. Denn zahlreiche Studien belegen längst; in der Summe ist das Verbrennen von Holz sogar schädlicher als das Verbrennen von Braunkohle.

Im Kampf gegen den Klimawandel sind intakte, alte Wälder, die als regelrechte Kühlschränke und wahre CO2-Staubsauger wirken, einer unserer wichtigsten Verbündeten. Jedwedes Ankurbeln des ohnehin schon sehr hohen Holzverbrauchs in Deutschland schädigt damit genau diese wichtigen Verbündeten massiv. Mit der jetzigen Entscheidung zeigt die aktuelle Bundesregierung damit wieder sehr deutlich; private Interessen haben Vorrang vor dem Allgemeinwohl und dem Schutz unserer Umwelt.

Bildnachweis: Phil Augustavo

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  1. Hallo, gibt es zu dieser Aussage eine wissenschaftliche Quelle: “Auch in Deutschland wird aktuell bereits rund die Hälfte der jährlichen Holzernte direkt verbrannt.”

    Das statistische Bundesamt teilt für 2018 mit, dass 9,8 Millionen Kubikmeter – dies entspricht 15 % des gesamten Holzeinschlags als Energieholz genutzt werden.

    1. Hallo Jan,
      hier sind die offiziellen Zahlen des BMEL:
      https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/news/waerme-fuer-haushalte-ueberwiegend-aus-scheitholz-pelletheizungen-immer-beliebter/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=2e36746ff9f8374442f82c63fb3aaf3c

      Und das sind nur die Privaten. Industrielle Stromerzeugung aus Holz kommt noch hinzu.
      Insgesamt werden in Deutschland jedes Jahr über 60 Mio. m3 Holz verbrannt. Das entspricht sogar dem durchschnittlichen, gesamten Holzeinschlag in Deutschland.
      Liebe Grüße
      Tobias

      1. Hallo Tobias, danke für die Infos, beantwortet meine Frage aber nicht. Ich möchte gern wissen, wo belegt wird, dass die Hälfte des deutschen Holzeinschlages verbrannt wird. Das belegt die Quelle ja nicht. Dass in D rund 60 Mio m3 verbrannt werden heißt ja nicht, dass das Holz aus D kommt.

        1. Hallo Jan,
          die Zahlen zur Verwendung des Holzeinschlags in Deutschland findest du im Waldbericht 2017 vom BMEL. Dort findest du auch den Hinweis, dass 27 Mio m3 direkt energetisch genutzt werden. Hinzu kommen noch andere Holzprodukte. Beim heimischen Laubholz werden sogar zwei Drittel des Holzeinschlages energetisch genutzt.
          Das solltest du als Förster und Mitarbeiter de SDW aber eigentlich auch wissen.
          Liebe Grüße
          Tobias

          1. Hallo Tobi, danke für die Info. Ich setzte immer auf Schwarmintelligenz..Auch die Aussage im Waldbericht ist nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick so scheint – zumindest jene auf Seite 104. Die Autoren beziehen sich auf den bekannten Wissenschaftler Udo Mantau. Und nach weiteren Recherchen bin ich auf das Rohstoffmonitoring Holz von ihm gestoßen (2018) also aktueller als der letzte Waldbericht. Und dort heißt es, “So werden beispielsweise vom Waldderbholz lediglich 25,6 % energetisch genutzt. Die Produktion von Pellets basiert zu 95 % auf Sägenebenprodukten….” https://www.kiwuh.de/projekte-und-foerderung/projekte/holzbereitstellung/rohstoffmonitoring-holz/ (“Das Handout „Rohstoffmonitoring Holz: Daten und Botschaften“). Leider wird auch hier nicht klar erläutert, ob das Brennholz der Privatverbraucher aus dem deutschen Wald stammt oder aus anderen Ländern, sondern nur aus dem Wald!
            Und eben auch die offizielle Holzeinschlagsstatistik besagt etwas anderes. Mir geht es gar nicht darum, wer hier Recht oder Unrecht hat, sondern nur um die Quellen. Und wie Du siehst, ganz so einfach ist das alles nicht. Und falls Du noch weitere Quellen hast, dann freue ich mich darüber. Übrigens finde ich es auch sehr bedenkenswert, wenn gerade Laubholz verfeuert wird und hier insbesondere Buchenholz. Dazu sind unsere Buchen viel zu schade. Doch bevor ich mich dafür einsetze, die primäre Verfeuerung von Holz zu reduzieren, möchte ich wirklcih eine 100%ige Sicherheit, auch wenn das BfN, das nun wirklch nicht zur Forstlobby gehört, die Verfeuerung von Holz aus Deutschland aus Naturschutzgründen noch nicht kritisiert…
            In diesem Sinne.
            Beste Grüße
            Jan

          2. Unabhängig davon wie eindeutig die Herkunft des Holzes ist, sind wir uns hoffentlich einig, dass es nicht in Ordnung ist, das Äquivalent unseres gesamten Holzeinschlages zu verfeuern 🙂
            Weitere Infos findest du auch hier:
            https://wald-lernen.de/2020/04/01/ist-holz-die-neue-braunkohle/
            Die Herkunft des Holzes zurückzuverfolgen ist unglaublich schwer – wir Importieren rund 130 Mio. m3 (r) und Exportieren auch wieder rund 130 Mio. m3 (r). Hier verwischen im Prinzip alle Spuren.
            Ein steht allerdings fest:
            Wir verbrauchen viel zu viel Holz – angefeuert durch die Charta für Holz und den Irrglaube, Holznutzung sei gut fürs Klima.
            Unser Holzverbrauch ist ungefähr um den Faktor 2 größer als das, was wir selber ernten.
            Und jegliche Holzernte (zumindest in Laubwäldern) macht den Wald instabiler und anfälliger gegenüber Klimaveränderungen. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. https://science.sciencemag.org/content/368/6492/772
            Somit können wir es uns gar nicht leisten, in der Größenordnung ein so wichtiges Ökosystem für eine steinzeitliche Form der Energiegewinnung zu schwächen und teilweise zu zerstören.