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Podcast: Sven Plöger im Gespräch mit Peter Wohlleben

In seinem neuen Podcast spricht Peter Wohlleben mit dem sympathischen Diplom-Meteorologen und bekannten ARD-Wetterfrosch Sven Plöger. 

Du kannst mich gerne Wetterfrosch nennen, das ist bei mir auch optisch naheliegend!

Sven Plöger

Anlässlich des neuen Buches von Plöger, „Zieht Euch warm an, es wird heiss!“, unterhalten sich die beiden über Themen rund um den Klimawandel. Dabei widmen sie sich einer Palette spannender Fragen, wie: Gibt es wirklich ein „zu spät“? Wie kann man die Klimawende beschleunigen? Führt Freiwilligkeit zum Erfolg? Kann Corona ein Lehrmeister in der Klima-Krise sein? Welche Rolle spielt der Wald im Klimawandel? Was hat eine Kaffeetasse mit dem Klimawandel zu tun?

In dem lebhaften Gespräch der beiden authentischen Experten kommt der Spaß, trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas, nicht zu kurz. 

Peter Wohlleben: Was ist aus Deiner Sicht das Dringendste was passieren muss, um in der Klimakrise endlich umzusteuern?

Der Klimawandel ist ein Alle-Menschen-Problem

Sven Plöger

Sven Plöger: Aus meiner Sicht muss als erstes das Verständnis für das Thema weiter erhöht werden. Wenn man das bekannte Zitat von Sir Francis Bacon „Wissen ist Macht“ umkehrt, bedeutet Unwissen Ohnmacht. Der Klimawandel ist ein Alle-Menschen-Problem, daher brauchen wir die hinreichende Bildung und das Verständnis aller Menschen. Der zweite entscheidende Punkt ist, dass Freiwilligkeit nicht zum Erfolg führt. Es gibt kein Beispiel in der Geschichte, in dem Freiwilligkeit zu einem guten Ergebnis geführt hat. Wir brauchen politische Willensbildung, die ernsthaft sehr klar und deutlich macht, wo wir hingehen müssen. Wenn man sich Corona als einen 15 Meter hohen Tsunami vorstellt, dann verbirgt sich dahinter eine zweite Welle, die nicht 15, sondern 500 Meter hoch ist: der Klimawandel! Da haben wir das eigentliche Problem, das auf uns zu rauscht. Daher müssen wir jetzt handeln!

Peter Wohlleben: Man kann Änderungen feststellen, wie z.B. den beschlossenen Kohleausstieg. Allerdings wird häufig auf Freiwilligkeit gesetzt. Das von den Briten kürzlich beschlossene Verbrenner-Verbot ab 2030 sorgte sofort für einen Aufschrei in der Automobilindustrie, die den Standort Deutschland in Gefahr sieht. Aber wie soll man es sonst machen?

Sven Plöger: Verbote sind immer negativ belastet. Die Chancen müssen in den Mittelpunkt gestellt werden!

Peter Wohlleben: Mit apokalyptischen Szenarien tu ich mich auch immer schwer, aber gibt es wirklich ein „zu spät“ oder nur ein „deutlich schlechter“?

Sven Plöger: Es gibt tatsächlich auch Kipppunkte. Ein Klimasystem ist in sich geschlossen und funktioniert, daher können wir auf dieser Welt überhaupt existieren. Anhand eines Beispiels, das nicht von mir ist, kann man diese Kipppunkte sehr anschaulich darstellen. Man stellt eine Kaffeetasse auf einen Tisch und rückt sie immer näher an den Rand. Selbst wenn sie mit der Unterseite schon halb über dem Abgrund steht, steht sie trotzdem noch stabil. Rückt man sie noch ein Stückchen weiter ist der Kipppunkt erreicht und die Tasse fällt zu Boden. 

Peter Wohlleben: Es gibt große und kleine Kipppunkte. Aber gibt es auch den einen Kipppunkt, der für den Großteil der Menschen das Ende bedeutet?

Sven Plöger: Das geht schon sukzessive, aber es wird unerträgliche Wandelpunkte geben. Eine Erwärmung von 3-4 Grad hat in Mitteleuropa bereits 15-jährige Dürren zur Folge. Das sind extreme Wetterereignisse, mit denen wir umgehen müssen.

Peter Wohlleben: Es ist ja klar, dass wir handeln müssen. Irgendwann können wir nicht mehr anders. Wenn wir es jetzt machen statt in 30 Jahren ersparen wir uns viele Dinge, ohne zurückzublicken und zu denken: Waren wir doof? Aber wie kriegt man mehr Geschwindigkeit in das politische Geschehen?

Der Klimawandel gleicht einem Asteroiteneinschlag in Superzeitlupe!

Plöger

Sven Plöger: Wenn ich das jetzt eins zu eins wüsste, würde ich es dir sagen, wir würden zur Politik gehen und alle wären glücklich. Das ist unser zentrales Problem! Evolutionär bedingt erscheinen Dinge, die uns unmittelbar gefährden wichtiger als Dinge, die uns zukünftig gefährden werden. Die Bedrohung beim Klimawandel ist nicht konkret. Irgendwann, wird irgendwem, irgendwo, irgendetwas passieren. Wir kennen das alle von zu Hause. Unliebsame Aufgaben werden aufgeschoben. Das ist beim Klimawandel aber schlecht. Aufgrund der konkreten Bedrohung durch Corona sind viele Menschen bereit sofort zu handeln und kommen zu der Einsicht, dass es besonders sinnvoll ist auf die Wissenschaft zu hören. Diese Einsicht wäre auch der erste wichtige Schritt in der Klimakrise. In Deutschland neigen wir zudem zum Zerreden und Kleinreden von Fakten. Wir müssen einfach mal anfangen nach dem Prinzip Try and Error.

Peter Wohlleben: Man muss den Klimawandel erlebbar machen, vor allem die positiven Seiten. Ich bin zwar ein Gegner davon Bäume im Wald zu pflanzen, aber auf Wiesen und Äckern kann es durchaus Sinn machen. Durch mehr Wald könnten wir das Wettergeschehen lokal verändern, für mehr Regen und weniger extreme Temperaturen im Sommer sorgen und die Veränderung aktiv miterleben.

Sven Plöger: Du bist gegen Aufforstung im Wald, das leuchtet mir auch ein, wenn da ja schon Wald ist. Aber da, wo der Wald durch Trockenheit und Borkenkäfer angeschlagen ist macht es doch Sinn, oder?

Dem Wald beim Wachsen zuzusehen ist die Aufgabe für die Zukunft!

Wohlleben

Peter Wohlleben: Interessanterweise nicht. Allein die Entscheidung vertrocknete Fichten stehen zu lassen oder sie zu fällen kann schon 10 Grad Temperaturunterschied auf dem Waldboden bedeuten. Der Wald, den wir eigentlich brauchen steht jederzeit vor der Haustür und sagt: lass mich bitte rein! Die Antwort der Forstwirtschaft lautet: Ne ne, liebe Natur, das machen wir schon seit 200 Jahren anders! Du weißt gar nicht wie richtiger Wald geht! Förster wissen natürlich auch nicht, wie das Klima in 80 Jahren sein wird. Das ist Kaffeesatzleserei. Dem Wald beim Wachsen zuzusehen ist die Aufgabe für die Zukunft!

Wie viele Autos müssen in der Stadt als Stehrümchen rumstehen?

Plöger

Sven Plöger: Ganz viele regionale Wetterphänomene sind durch Wald, Natur und die Gestaltung der Landschaft gesteuert. Mein Fokus ist sehr auf die Städte gerichtet. Im Sommer sind sie häufig 10 Grad wärmer als die Umgebung. Wir müssen Städte verländlichen! Hierzu braucht es gute Konzepte, Gelder und den politischen Willen- und zwar jetzt!

Peter Wohlleben: Könnte man sagen: Macht die Städte und die Umgebung wieder grün, dann wird’s auch wieder kühler?

Sven Plöger: Ja, klar! Wenn das so weit ist, dann schreib ich noch ein Buch mit dem Titel: wieder kühl!

Das ganze Gespräch von Sven Plöger und Peter Wohlleben können Sie in der aktuellen Podcast Folge „Peter und der Wald – Wann ist der Kipppunkt erreicht?” hören.

Mehr von Sven Plöger zum Thema Klima finden Sie in der SWR Youtube-Reihe „Sven Plögers Klimablick“, in der er wichtigen Fragen rund um den Klimaschutz auf den Grund geht. 

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