fbpx

Podcast: Norbert Panek im Gespräch mit Peter Wohlleben

Peter Wohlleben hat das Gespräch mit einem ausgesprochenen Experten für Buchenwälder in Europa gesucht – Nobert Panek. In Berlin begann Panek seinen Weg mit der Ausbildung zum Landschaftsgärtner und einem anschließenden Studium der Landschaftspflege. Durch seinen Umzug nach Hessen verliebte er sich in die dortigen Buchenwälder und setzt sich seit jeher für ihren Schutz und ihre Erforschung ein. Einer seiner größten Erfolge ist die Mitbegründung des hessischen Nationalparks Kellerwald-Edersee sowie die Ausweisung dieses und vier weiterer Buchenwaldgebiete in Deutschland als UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder“.

Obwohl Experten kaum Chancen für die Ausweisung des Buchen-Nationalparks als Weltnaturerbe prognostiziert haben ist es nach jahrelangem Einsatz in 2011 doch dazu gekommen. Ausschlaggebend war die Einzigartigkeit der Rotbuchenwälder, die es so lediglich in Europa gibt. Doch selbst in den fünf geschützten Buchenwaldgebieten Deutschlands sind die Spuren menschlicher Nutzung allgegenwärtig. Die Bäume sind in der Regel höchstens 200 Jahre alt, was bei Buchen der Dauer ihrer Jugend entspricht.

Peter Wohlleben: Wie lange dauert es bis aus solchen Reservaten wieder ein Urwald wird?

Norbert Panek: Die Bäume müssten einen Entwicklungszyklus durchlaufen. Selbst dann könnte man lediglich von sekundären Urwäldern sprechen. Es geht allerdings um den ungestörten Prozess, den man durch die Unterschutzstellung erreicht. 

Peter Wohlleben: Es muss also eine Generation von der Buchecker bis zum erwachsenen Baum unter Altbäumen ungestört aufwachsen können bis sich solche Systeme wieder erholen. Das sind mehrere Jahrhunderte von denen wir hier reden.

Forscher können manchmal auch ein bisschen brutal sein.

Peter Wohlleben

Norbert Panek: Auch im Nationalpark Kellerwald kann manchmal von Ungestörtheit nicht die Rede sein. Es wird so viel geforscht. Wir müssen auch mal ein bisschen respektvoll sein und Ecken in Ruhe lassen. Klar, möchte man auch irgendwie an die Daten ran. Gegenüber der UNESCO muss natürlich auch belegt werden, dass die Entwicklung im Sinne des Naturschutzes vorangeht. Allerdings überlässt man diese Flächen ja vollständig der Natur, dann kann ja auch nichts falsch gemacht werden.

Peter Wohlleben: Forscher können manchmal auch ein bisschen brutal sein, wenn man sich zum Beispiel die Bohrungen von Bäumen zu deren Altersbestimmung anschaut. Mir blutet dann immer das Herz.

Norbert Panek: Die Daten müssten wenigstens so eingesetzt werden, dass sie dem Naturschutz und einer ökologischen Forstwirtschaft dienen, damit die Untersuchungen sinnvoll sind, aber das passiert ja vielfach nicht.

Wir lassen unsere Wälder verhungern!

Norbert Panek

Norbert Panek: Was im Moment hier in Deutschland passiert ist ein riesen Skandal. Auf den Schadholzflächen wird die gesamte Biomasse komplett abgeräumt. Das ist das biologische Futter eines Waldökosystems. Wir lassen unsere Wälder verhungern.

Peter Wohlleben: Die Spirale dreht sich immer schneller. 
Das Sauerland ist in vielen Teilen bereits eine Fichtenwüste. Gleichzeitig geht man dort in einen der letzten Buchenwälder, hackt ihn ab und pflanzt erneut Fichte. Was ist denn das?

Norbert Panek: Was auf dem Südosthang des „Hohen Knochens“, einer knapp 765 Meter hohen Bergkuppe im Sauerland passiert ist, ist unvorstellbar. Was mich am wütendsten macht ist, dass es offenbar keine gesetzliche Handhabe gegen solche Kahlschläge gibt.

Ich melde auch kein Maisfeld als Insektenwiese an.

Peter Wohlleben

Peter Wohlleben: Kahlschläge bewirken, dass die Landschaft austrocknet, sich aufheizt und dass der Folgewald viel schlechter wächst. Das kann man sich nicht mehr erlauben. Man darf unsere Klimaanlage nicht killen, genauso wenig wie man über eine rote Ampel fahren darf. Meiner Meinung nach müssten 20-30% der 100 bis 120-jährigen Buchenwaldbestände in Deutschland unter Schutz gestellt werden. Stattdessen werden bei der EU Fichtenwälder als Schutzgebiete angemeldet. Ich melde ja auch kein Maisfeld als Insektenwiese an. Wir sind international nicht mehr glaubwürdig.

Norbert Panek: In Hessen wurde sogar ein Autobahndreieck als Kernfläche eines Schutzgebietes ausgewiesen. Wir haben in Deutschland seit Jahrzehnten eine hausgemachte Forstkrise. Das Grundprinzip aufforsten – durchforsten – kahlschlagen hat sich im Wesentlichen seit 200 Jahren nicht geändert. Das ist für mich nicht mehr zeitgemäß. Wir müssen hin zu einer ökologischen Denkweise. Die Forstwirtschaft lebt in meinen Augen in einer ideologischen Blase, die von außen nichts ranlässt. Wenn sich irgendetwas ändern soll bzw. muss, glaube ich, dass das nur von innen heraus passieren kann.

Das Grundprinzip aufforsten- durchforsten – kahlschlagen hat sich im Wesentlichen seit 200 Jahren nicht geändert.

Norbert Panek

Peter Wohlleben: Ich würde die Blase gerne mal aufstechen. Wir müssen Druck ausüben, damit Politik und Verwaltung in Bewegung kommen. Bürgerinitiativen, wie die Bundesbürgerinitiative Waldschutz, sind hierfür eine tolle Möglichkeit. Man kann und darf sich kräftig einmischen, das ist meine Hoffnung.

Norbert Panek: Ich hoffe, dass sich ein spürbarer Widerstand entwickelt, der auch bis auf politische Ebene reicht, um endlich eine Veränderung herbeizuführen.

Das ganze Gespräch von Peter Wohlleben und Norbert Panek finden sie in der neuen Folge unseres Podcasts „Peter und der Wald“

Ähnliche Artikel

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.